Rückblick des Gründers und Schulleiters
Spannend ist ja, wo wir alle herkommen. Die Jugendlichen vor der Läbensschuel, wir als Team – und wir aus der zürcheroberländer Kultur.
Viele von uns kommen aus einer Leistungskultur, die sich nach Perfektion sehnt. Aber in dieser vergisst man leicht, dass der Meister nicht vom Himmel fällt. Fehler machen ist schlimm – aber für wen? Für unser unsicheres Ego?
Bei uns erleben wir immer wieder, wie viel Mut es braucht, ein echter Anfänger zu sein. Unsicherheit auszuhalten. Dranzubleiben. Fehler zu erkennen, sie mit Dankbarkeit als Teil des Lernprozesses anzunehmen und dann nach bestem Wissen zu verbessern, Altes zu ent-lernen und Neues aufzunehmen. Dieser Prozess ist für viele neu — und heilsam.
Wann merke ich, dass Neue „angekommen“ sind?
Wenn sich die Körperhaltung aufrichtet. Wenn der Blick klar wird. Wenn eine entspannte Offenheit entsteht gegenüber dem Leben, dem Lernen und den eigenen Themen. Sie wissen: Wiederholung gehört dazu. Und sie arbeiten mit Dankbarkeit, weil sie erfahren haben, wie gut sich Selbstwirksamkeit anfühlt.
Unsere 9.-Klässler gehen entspannt und mit Freude ihrem Abschluss entgegen. Viele mit ihrer Wunschlehrstelle in der Tasche. Sie können ihre Emotionen wahrnehmen und ihre Bedürfnisse gewaltfrei kommunizieren. Sie sind junge Erwachsene geworden, die selbstständig handeln – und demütig genug sind, Unterstützung einzufordern, wenn sie sie brauchen.
Beziehung kommt bei uns vor Erziehung. Menschlichkeit vor Leistung.
Das spürt man. Wenn man in die Läbensschuel kommt, entspannt sich etwas tief im Körper. Das Nervensystem merkt: „Hier bin ich sicher.“ In diesem Zustand funktioniert Lernen am besten.
Und davon passiert hier ganz viel. Sie lernen, ihre Emotionen zu regulieren, ihren Körper stark und gesund zu halten und ihren Geist zu fokussieren. Sie lernen, Ablenkungen zu widerstehen und klar zu denken. Und sie verstehen den Stoff nicht nur – sie verankern ihn.
Besonders schön ist, wenn ehemalige LäbensschüelerInnen zurückkommen und erzählen, wie gut sie in der Berufsschule, BMS oder im Gymi zurechtkommen. Sie können ihr Lernen selbstständig organisieren. Zum Leid unserer Gesellschaft ist das noch nicht selbstverständlich.
Nach fünf Jahren Läbensschuel kann ich aus Erfahrung sagen: Die Neurowissenschaft hatte recht. Wer hätte das gedacht!? Ja, in einer Wohlfühloase lernt man besser als in einer Atmosphäre, die von Leistungsdruck geprägt ist. Freude trägt weiter als Druck. Und wenn unsere menschlichen Bedürfnisse Raum erhalten, finden wir zu uns, zu unseren Stärken und zu unserem Weg.
Der Traum ist nach wie vor, dass unser Schulsystem ganzheitlich aufwacht und wissenschaftliche Erkenntnisse beginnt umzusetzen.
Danke, Läbensschuel, dass du ein Raum bist, indem SchülerInnen und Lehrpersonen gerne sind, gerne hingehen und das tägliche Lernen eine freudige Herausforderung sein darf.
Und für alle, die es noch nicht gesehen haben: Das vollendete Läbensschuel Theater — Das fünfte Universum
2 Gedanken zu „Fünf Jahre Läbensschuel“
Wie berührend Severin, und wie wahr! Danke für diese schönen Zeilen, dankbar, für die Zeit bei Dir und deinem wundervollen Team!
Hab eine lichtervolle Adventszeit, Herzensgrüsse, Kerstin
hi läbensschuel
hi severin
ganz einfach gesagt: angst erzeugt unsicherheit, die zuversicht schwindet, selbstzweifel macht sich breit… keine gute grundlage zum lernen…
umso wohltuender ist es für mich an der läbensschuel immer wieder zu sehen, dass mit den kids achtsam umgegangen wird.
die erwachsenen helfen ihnen, bei der suche nach dem individuellen lernweg. die gewissheit, etwas schaffen zu können, bringt sicherheit. erfolg motiviert für neues.
herzliche gratulation zum 5‑jahresjubiläum
und immer viel zuversicht, energie, gewissheit, mut… für die nächsten jahre
urs